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Online Focusing lernen 

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Mein Blog

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Koerperlicher Schmerz

Posted on November 23, 2015 at 9:50 AM

Der Umgang mit körperlichem Schmerz ist einer der klassischen Anwendungsbereiche von Focusing. In einer Telefonkonferenz am 19.11.2015 gab Gene Gendlin, der Begründer von Focusing, eine Antwort auf die Frage, wie Focusing bei Schmerzen helfen könne, die ich noch nie zuvor gehört hatte. Die Antwort ist so wunderschön, dass ich sie hier zitieren möchte (meine Übersetzung):




"Der Körper kann in Verbindung treten - aber du musst es ausprobieren, es funktioniert nicht immer - der Körper muss in Verbindung treten mit der größeren Welt, deren Teil wir sind. Es gibt eine riesig große Welt, von der du weißt, dass du dazu gehörst. [...]


Und dann gibt es eine Art und Weise, wie sich der Körper - genau hinter dem Bauch, hinter dem Bauchnabel, hinter dem Solarplexus - mit der Welt verbindet. Der Körper, kannst du einen Augenblick in dem Körper sein? [...]


Und lass dann den Körper sich mit der größeren Welt verbinden. Du weißt, dass er das tut, natürlich. Du kannst den Körper sich verbinden lassen mit der größeren Welt. [...]


Es kann eine lindernde Wirkung haben, wenn der Körper in Verbindung tritt mit dem riesigen Raum um dich herum. [...]


Es gibt eine größere Welt. Es gibt eine riesige Welt, in der wir schon sind. Und wenn sich das Körpergefühl damit verbinden kann, kann es hinausfließen und das kann ein wirkliches Ereignis sein. [...]


Manchmal fängt es damit an, die Lehne deines Stuhles zu spüren und den Boden unter deinen Füßen und dann wird dir klar: 'Oh, ich stecke nicht nur in der Körperhülle. Ich bin auch Teil dieser riesig großen Unendlichkeit. Ich bin schon Teil davon.'"




Lesen Sie auch einen älteren Blogeintrag über Focusing und Schmerz: hier klicken

Zweiter Focusing-Roman erschienen

Posted on March 23, 2015 at 7:00 PM

Als Karl sein Referendariat am altehrwürdigen Descartes-Gymnasium antritt, beginnt für ihn ein echter Höllentrip. Ausgelöst durch den Zusammenprall mit der Schulwirklichkeit, plagen ihn immer wieder innere Konflikte. Und dann ist da noch seine Fachleiterin, die er einfach nicht versteht...


Doch mit Hilfe von Focusing, einer bewährten Methode der inneren Achtsamkeit, gelingt es Karl, sich seinen Dämonen zu stellen und sein Leben in den Griff zu bekommen.


Auf humorvolle Art und Weise begleitet der Erzähler den Leser durch die faszinierenden Schlachtfelder menschlicher Zerrissenheit und erläutert deren Dynamik und Ursachen. Außerdem zeigt er ganz konkret, wie die einzelnen Kriegsparteien in die Ganzheit des Ichs zurückgeführt werden können.


Buch kaufen: Innere Konflikte lösen mit Focusing: Ein Kurzroman

Emotionaler Schmerz

Posted on March 16, 2015 at 7:00 PM

Die meisten Menschen versuchen sich abzulenken, wenn sie emotionalen Schmerz spüren. Und das ist ganz verständlich. Schließlich fühlt sich emotionaler Schmerz ziemlich unangenehm an. Was spricht also dagegen, sich ein Stück Kuchen zu gönnen oder einen Schluck Wein oder einen guten Film im Kino?


Eigentlich nichts, es sei denn, dass der Kuchen, der Wein und der Film als dauerhafte Strategien verwendet werden, um dem emozionalem Schmerz grundsätzlich auszuweichen. Warum? Weil der Schmerz eine Botschaft enthält, die gehört werden will. Der Schmerz ist etwas, das unser Körper uns schickt, weil es im Leben nicht so läuft, wie es eigentlich laufen sollte.


Wie kann uns Focusing dabei helfen, dem emotionalem Schmerz zu begegnen und seine Botschaft zu entschlüsseln? Das Geheimnis ist, dass der emotionale Schmerz nie alleine da ist, sondern immer auch eine körperliche Qualität hat. In diese körperliche Qualität können wir hineinspüren. Und sobald wir das tun, befinden wir uns in einer anderen Welt. Wo spüre ich den emotionalen Schmerz? Vielleicht im Herzbereich? Und wie fühlt er sich an? Eventuell wie ein großer schwarzer Stein? Hat er eine Farbe und eine Form? Wenn ich mich auf dieser somatischen Ebene befinde, fühlt sich der Schmerz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ganz anders an und ist möglicherweise gut auszuhalten. Vielleicht werde ich sogar neugierig darauf, was er mir mitteilen möchte.


Wenn wir auf diese Weise dem emotionalen Schmerz auf somatischer Ebene begegnen, kann er Schritte machen und uns seine Bedeutung enthüllen. Wie genau diese Schritte aussehen und wie sie unterstützt werden können, darum geht es beim Focusing-Prozess.


Nutzt man diesen, um sich allem im Innern mutig zuzuwenden, spricht auch nichts mehr gegen den Kuchen, den Wein und den Film.;)

Die "dunkle Seite"

Posted on March 9, 2015 at 7:00 PM

Viele Menschen glauben, dass sie eine "dunkle Seite" haben, dass es einen Bereich in ihrem Seelenleben gibt, dem man möglichst keinen Raum geben sollte und von dem man sich besser fernhält. Tatsächlich kann niemand die Destruktivität bestreiten, zu der Menschen fähig sind. Wenn man in den heutigen Tagen die Nachrichten schaut, wird man überflutet von all dem Horror, der in der Welt existiert.


Aus Focusing-Perspektive möchte ich dazu zwei Aussagen machen: 1.) Die Wahrnehmung, dass es eine dunkle Seite im Menschen gibt, ist da und braucht Aufmerksamkeit. 2.) Es gibt keine "dunkle Seite" der Seele, sondern nur eine unbeleuchtete, in der sich möglicherweise Aspekte eines Menschen befinden, die nicht genug Tageslicht bekommen haben, um sich zu entwickeln. Beide Aussagen erkläre ich im Folgenden.


Die Wahrnehmung einer dunklen Seite weist nicht darauf hin, dass es etwas von Natur aus "Schlechtes" im Menschen gibt, sondern darauf, dass es einen Teil in ihm gibt, einen Aspekt seiner Persönlichkeit, der Angst hat vor einem anderen Teil der Person und ihn als "dunkel" bezeichnet. Nur aus der Sicht dieses zweiten Teils handelt es sich um etwas Dunkles. Viele Menschen sind jedoch mit dem verängstigten Teil identifiziert und nehmen ihre innere Welt aus dessen Perspektive wahr. Sie müssen zunächst dabei unterstützt werden, aus der Identifikation herauszutreten, beispielsweise so:


"Sie spüren, dass etwas in Ihnen Angst hat vor etwas anderem in Ihnen und es als 'dunkel' bezeichnet. Vielleicht mögen Sie sich beiden zuwenden und beiden 'Hallo' sagen."


Gelingt es der Person, beiden Teilen gegenüberzutreten und beide in ihrer Aufmerksamkeit zu halten - gleichzeitig - kann sie in die Sorge des verängstigten Teils hineinspüren und erforschen, wovor sich dieser so fürchtet, was er nicht will. Sobald der verängstigte Teil den Weg frei gibt, kann sie sich dem Bereich bzw. dem Teil zuwenden, der als "dunkel" etikettiert wurde und das Scheinwerferlicht ihrer Aufmerksamkeit auf ihn richten. Möglicherweise ist dieser Teil/Bereich zunächst ziemlich hässlich. Sobald jedoch das Sonnenlicht und die Wärme unserer Aufmerksamkeit auf ihn fallen, kann er sich zu dem entwickeln, zu dem er eigentlich bestimmt ist. Und das ist mit Sicherheit etwas Wunderschönes.


Mit anderen Worten: Die Wahrnehmung, dass es eine dunkle Seite in uns gibt, stammt von einem Teil von uns, der Angst hat. Dieser verhindert, dass wir uns dem zuwenden, was als "dunkel" bezeichnet wird, und ihm Raum geben, so dass es sich entwickeln kann. Beide Teile/Bereiche - sowohl der, der sich fürchtet, als auch der, vor dem er sich fürchtet - brauchen unsere Aufmerksamkeit.


Je mehr Menschen dazu fähig und bereit sind, desto weniger Destruktivität gibt es in der Welt. 

Begleitetes Focusing leichter

Posted on March 2, 2015 at 6:00 PM

Seit dem Verfassen des Blog-Eintrags der letzten Woche hat Gendlin klargestellt: Focusing allein ist nicht NICHT Focusing.;) Für die meisten Menschen entfaltet Focusing jedoch erst seine maximale Kraft, wenn sie beim Fokussieren begleitet werden.


Wenn ich meinem Focusing-Partner sage: "Ich bin traurig" und er mir zurücksagt: "Du spürst, etwas in dir ist traurig", erschafft er dadurch das, was Gendlin "direct referent" nennt - einen direkten Bezugspunkt: Wo spüre ich das eingentlich? Im Bauch oder in der Brust? Und ist "traurig" überhaupt die richtige Beschreibung? Will ich diese Fragen beantworten, muss ich nach innen gehen und nachspüren. Ich muss mich meinem Felt Sense zuwenden.


Dieser entsteht häufig jedoch erst in der Interaktion mit einem Gegenüber. Wenn ich allein bin, dann bin ich oft einfach nur traurig. Erst wenn mir jemand zurücksagt: "Du spürst, etwas in dir ist traurig", entsteht ein inneres Etwas, in das ich hineinspüren kann und in dem noch unendlich viel mehr liegt...


Doch auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Einigen Menschen fällt es leichter, einen Felt Sense entstehen zu lassen und sich ihm zuzuwenden, wenn sie ganz für sich sind. Ich persönlich gehöre nicht dazu. Doch auch ich kann und will nicht auf Focusing allein verzichten

Focusing allein = Focusing ?

Posted on February 23, 2015 at 6:00 PM

Vor Kurzem erklärte Eugene Gendlin, der Begründer von Focusing, Focusing sei eine Interaktion zwischen zwei Menschen, in der der eine seine Aufmerksamkeit auf den Felt Sense des anderen richtet. Focusing allein sei kein echtes Focusing. Nie zuvor hat er das so radikal formuliert. Bisher war in der Focusing-Gemeinschaft lediglich die Rede davon, dass begleitetes Focusing viel einfacher sei als Focusing allein.


Meine eigene Erfahrung bestätigt, dass Focusing in Gegenwart einer anderen Person  tatsächlich viel tiefer geht und viel mehr Veränderung bringt, als wenn ich die inneren Schritte allein durchführe. Die innere Beziehung, die Beziehung des Fokussierenden zu seinem Erleben, ist eng verwoben mit der äußeren Beziehung, der Beziehung des Fokussierenden zum Begleiter. Erst durch die äußere Bezeihung wird die innere möglich. Der Grund dafür ist, dass wir Menschen von Natur aus soziale Wesen sind und andere Menschen für unser Überleben und unser Wachstum brauchen.


Manchmal, ganz selten, vollzieht sich laut Gendlin jedoch auch allein echter innerer Wandel, ohne dass man erklären kann, warum. Ich selbst habe das oft (aber unregelmäßig) erlebt, meistens dann, wenn ich es am wenigsten erwartet habe. Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Focusing mit einer anderen Person bringt fast immer Veränderung und Focusing allein nur ab und zu.


Ich habe aber ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass es zumindest immer gut tut, die Focusing-Schritte auch allein zu vollziehen, selbst wenn der Wandel nicht derselbe ist wie beim begleiteten Focusing. Fast immer bringt das ein ganz klein wenig frische Luft.


Mit anderen Worten: Es ist egal, ob man Focusing allein "Focusing" nennt oder anders. Focusing hat einen großen Wert und "Focusing allein" auch.

Perfektionismus

Posted on February 16, 2015 at 11:00 PM

Das Wort "Perfektionismus" hat einen negativen Beigeschmack, denn viele Menschen leiden unter ihrem Perfektionismus.


Aus Focusing-Sicht haben wir es hier mit einer Dynamik zu tun, an der mindestens zwei Aspekte der Person beteiligt sind: etwas, das perfekt sein möchte, und etwas, das darunter leidet. Es ist sinnvoll, sich zuerst dem zuzuwenden, das perfekt sein möchte, und es durch einen Prozess zu führen. Sobald es beginnt, sich zu ändern, wird sich auch ganz automatisch das verändern, was leidet. Denn wenn der Auslöser für das Leid wegfällt, verschwindet auch das Leid selbst.


Wie sieht nun der Prozess aus, durch den der perfektionistische Teil der Person geführt werden muss? Zunächst einmal muss er eingeladen werden, die innere Bühne zu betreten. Hat er sich gezeigt, muss er begrüßt und seine Existenz anerkannt werden. Anschließend müssen wir erspüren, welche Emotion in ihm steckt und ihn anteibt. Und das ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Form von Angst oder Sorge. Er ist ängstlich oder besorgt, dass etwas Schlimmes passieren könnte, wenn er nicht dafür sorgt, dass die Dinge perfekt laufen.


Wenn man nachspürt, wovor er Angst hat, was passieren könnte, wird dieser Teil vermutlich Ergeignisse in der äußeren Welt benennen oder zeigen, wie etwa: "Ich habe Angst, dass mein Boss mich feuert, wenn ich meine Arbeit nicht perfekt erledige." Diese Angst oder Sorge muss gehört werden. Der nächste Schritt besteht darin, zu erspüren, vor welchem Gefühl dieser Teil Angst hat, welches Gefühl in der inneren Welt er nicht will. Und vielleicht kommt dann etwas, wie: "Ich will mich nicht wie ein Versager fühlen."


Sobald wir auf das Gefühl gestoßen sind, das dieser Teil nicht für uns will, das er vermeiden möchte, spüren wir nach, welches Gefühl es ist, das er für uns will, etwa: "Dass ich mich stark genug fühle, mein Leben in die eigene Hand zu nehmen." Dadurch offenbart sich, dass der Perfektionismus nur eine Strategie war, um ein ganz bestimmes Ziel zu erreichen. Und möglicherweise eröffnen sich dann realistischere Wege, dieses Ziel zu erreichen, als perfekt zu sein.


In dem Moment, in dem das geschieht, endet der "Perfektionismus" und das Leid lässt nach.

Die Macht des "Hallo"

Posted on February 9, 2015 at 11:00 PM

Eine der größten Quellen menschlichen Leids ist die Identifikation mit unserem inneren Erleben. Wenn ich sage "Ich bin hoffnungslos" und wenn ich mich selbst als verschmolzen mit dem in mir erlebe, was sich hoffnungslos fühlt, hat mein Erleben kein Gegenüber, das bei ihm sein und ihm Gesellschaft leisten kann. Dann bin ich der Hoffnungslosigkeit vollkommen ausgeliefert.


Um uns aus der Identifikation zu lösen, müssen wir dem, was in uns vorgeht, gegenübertreten. Wir müssen uns bewusst machen: Das, was sich so hoffnungslos fühlt, ist da. Und ICH bin auch da. Die einfachste Möglichkeit dazu besteht darin, unser Erleben zu begrüßen und ihm "Hallo" zu sagen. Wir können uns dem in uns zuwenden, was sich hoffnungslos fühlt, und ihm sagen: "Hallo, ich sehe, du bist da!"


Dadurch erkenne ich seine Existenz an. Gleichzeitig wird mir bewusst, dass ICH auch existiere - und zwar unabhängig von dem, was hoffnungslos ist. ICH bin derjenige, der IHM "Hallo" sagt. ES ist da und ICH bin auch da. Und ICH bin viel größer und viel mehr als ES. So entsteht ein innerer Raum, in dem ES sich wandeln kann, sobald es dazu bereit ist.


"Hallo" ist immer möglich:


  • "Hallo, Angst!"
  • "Hallo, Schmerz!"
  • "Hallo, komischer Gedanke!"
  • "Hallo, inneres Bild/innerer Film!"
  • "Hallo, undefinierbares Gefühl in der Magengrube!"
  • "Hallo, ..."


Aus dieser Perspektive ist "Hallo" eines der hilfreichsten Wörter überhaupt - und eines der mächtigsten.

Unsere Zeit nutzen

Posted on February 2, 2015 at 11:00 PM

Nachdem ich mich jahrelang dagegen gesträubt habe, habe ich mir vor Kurzem ein Smartphone zugelegt. Nun empfange ich meine Emails auf dem Handy und brauche für mein Online-Banking und das Abrufen wichtiger Informationen den Computer nicht mehr ein- und auszuschalten. Vermutlicher Zeitgewinn pro Tag: 20 Minuten. Als ich das Smartphone hatte, habe ich mir eine kostenlose App, ein Videospiel, heruntergeladen und ca. 30 Minuten am Tag gespielt. Danach fühlte ich mich jedes Mal irgendwie leer.


Es ist ganz klar: Die neuen Technologien bergen nicht nur Gefahren, sondern bringen auch einen enormen Nutzen. Und ein Nutzen ist sicherlich der Zeitgewinn. Dinge, für die man früher recht lange brauchte, wie etwa einen Flug in einem Reisebüro buchen, erledigt man heute in Minuten. Doch wie nutzen wir die zusätzliche Zeit? Schlagen wir sie irgendwie tot? Oder machen wir etwas Sinnvolles? Und wie kann ich beides voneinander unterscheiden?


Meine Antwort lautet wie folgt: Alles, was ich tue, absolut alles, soll in irgendeiner Form das Leben vorantreiben, meins und/oder das anderer Menschen. Wenn ich mich nach oder bei einer Tätigkeit innerlich frisch und voller Energie fühle, weiß ich, dass diese Tätigkeit den oben genannten Zweck erfüllt. Wenn ich mich jedoch dabei oder danach ausgebrannt und hohl fühle, weiß ich, dass ich meine Zeit sinnlos vertan habe. Das bedeutet nicht, dass ich den ganzen Tag arbeite. Auch faulenzen und Video spielen können das Leben vorantreiben. Irgendwann muss man ja auch einmal abschalten und braucht Erholung.


Mit anderen Worten: Es kommt nicht auf die Tätigkeit selbst an, sondern auf mein inneres Gespür, ob diese Tätigkeit gerade stimmig für mich ist oder nicht. Ein und dieselbe Handlung kann sich morgens falsch anfühlen und nachmitttags richtig.


Übrigens, das Videospiel habe ich inzwischen wieder deinstalliert. Hat sich immer schlecht angefühlt...

Felt Sense & GFK - Teil 2

Posted on January 26, 2015 at 11:00 PM

Meine Beziehung zur Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist einerseits geprägt von vielen guten Erfahrungen, die ich mit dieser Methode in meinem Arbeits- und Privatleben gemacht habe (siehe frühere Blog-Einträge), andererseits von einem gewissen Unbehagen.


Für mich ist mein Felt Sense, mein inneres Gespür für Lebenssituationen, die höchste Autorität. Meinem Felt Sense entspringen kontinuierlich frische Inhalte und Formen. Die GFK jedoch empfiehlt mir eine bestimmte Form, wie ich kommunizieren soll, um den Lebensfluss in mir und anderen zu fördern. Woran halte ich mich nun? An meinen Felt Sense? Oder lasse ich mir von der GFK eine Kommunikationsform vorgeben?


Meine Antwort lautet: Ich halte mich an meinen Felt Sense. Dieser ist und bleibt der innere Kompass, der mich durchs Leben navigiert. Trotzdem hat die GFK einen sehr hohen Wert für mich, und zwar aus folgendem Grund:


Mein Felt Sense umfasst alles und schließt alles mit ein, was ich je gelernt habe, also auch die GKF. Manchmal fühlt es sich einfach stimmig an, nach deren Prinzipien zu kommunizieren. Und dann ist der Nutzen immens. Manchmal fühlt sich das nicht stimmig an und dann kommuniziere ich auf eine Art und Weise, die meinem Felt Sense entspringt, auch wenn das Ergebnis nicht der GFK entspricht.


Es ist so, wie mit allem im Leben. Keine Methode ist immer richtig. Außer Focusing natürlich... ;)

Innere Horrorfilme

Posted on January 19, 2015 at 11:00 PM

Wir alle kennen sie, die inneren Horrorfilme, die plötzlich, ohne jede Vorwarnung und anscheinend ohne jeden Grund vor unser inneres Auge projeziert werden. Oft fühlen wir uns ihnen hilflos ausgeliefert, so als wären wir am Kinosessel angekettet, ohnmächtig dazu verdammt, den Film bis zum bitteren Ende anzuschauen. Doch stimmt es überhaupt, dass diese inneren Filme plötzlich und ohne Grund ablaufen?


Ich möchte Ihnen eine neue Sichtweise, eine neue Perspektive vorschlagen auf das, was im Inneren geschieht, wenn ein Horrorfilm abläuft. Sagen Sie einmal folgenden Satz:


"Etwas in mir zeigt mir [Beschreibung dessen, was zu sehen ist]."


Zum Beispiel:


"Etwas in mir zeigt mir, wie ich morgen bei der Präsentation vergesse, was ich sagen will, und dann von allen ausgelacht werde."


Spüren Sie einen Unterschied? Die obige Formulierung macht bewusst, dass der Film nicht aus heiterem Himmel kommt, sondern dass ETWAS in mir ihn mir vorführt. Es ist dieses ETWAS, das den Film auf meine innere Leinwand projeziert. Und das aus einem guten Grund, denn dieses ETWAS hat mir etwas Wichtiges mitzuteilen. Es möchte mir mitteilen, was es NICHT für mir will, wovor es Angst hat, was NICHT passieren soll. Wenn ich das sehe und es wissen lasse, dass die Botschaft agekommen ist, dass ich die Botschaft des Horrorfilms wirklich verstehe, verliert er seine Macht. Zum Beispiel:


"Ich sehe, dass du davor Angst hast, dass ich morgen vergesse, was ich sagen will, und dann von allen ausgelacht werde."


Wenn ich mich hingegen von dem ETWAS, das mir den Film vorführt, abwende und es ignoriere, wird es immer dramatischere Bilder wählen, solange, bis ich endlich verstehe, was es mir zeigen will.


Mit anderen Worten: Innere Horrorfilme stammen von einem Teil in uns, der uns vor etwas warnen will, vermutlich vor etwas, das in der Vergangenheit schon einmal passiert ist und das nicht noch einmal geschehen soll. Schauen wir uns mit diesem Verständnis unsere inneren Horrorfilme an, mit Neugier und Interesse dafür, was sie uns zu zeigen haben, sind wir nicht länger ohnmächtig und erfahren etwas sehr Bedeutsames für unser Leben.

Erster Focusing-Roman erschienen

Posted on January 12, 2015 at 11:00 PM

Karl erlebt den Anbruch des neuen Jahrtausends in der spanischen Hauptstadt Madrid. Zusammen mit seinen Freunden schlägt er sich durch den harten Alltag in der Millionenmetropole.


Doch Karl beherrscht Focusing, die lebensverändernde Fähigkeit, die Stimme seines Körpers zu hören. Schritt für Schritt entdeckt er seinen Weg. Welche Rolle spielt die geheimnisvolle Statue Luzifers dabei, die ihm in seinen Träumen erscheint?


Gemeinsam mit Karl macht sich der Leser auf eine faszinierende Reise in die menschliche Innenwelt und erforscht das menschliche Seelenleben. Gleichzeitig erhält er einen tiefen Einblick in die Theorie und die Praxis des Focusing.


Buch bestellen:


Durchs Leben mit Focusing: Ein Kurzroman

Focusing = Methode?

Posted on January 5, 2015 at 6:00 PM

Focusing wird oft als eine "Methode" bezeichnet - manchmal sogar als "Methode der Selbsthilfe". (So zum Beispiel im Untertitel der deutschen Übersetzung von Gendlins Buch Focusing. Das englische Original hat keinen Untertitel.) Und ganz sicher hat Focusing einen methodischen Aspekt.


So folgt die Anwendung von Focusing - bei sich selbst oder bei anderen - in der Regel einer bestimmten Methodik. Auch für das Unterrichten von Focusing gibt es verschiedene Modelle, etwa das "Sechs-Schritte-Modell" nach Gendlin oder das Modell des "Inner Relationship Focusing" nach Ann Weiser Cornell und Barbara McGavin.


Focusing selbst ist aber viel mehr als einfach nur eine Methode. Es verkörpert eine Haltung, eine Haltung sich selbst gegenüber, gegenüber anderen Menschen und auch gegenüber dem Leben. Diese Haltung ist geprägt von Respekt, von Interesse und von Wohlwollen. Sie nimmt das an, was ist, und lässt es so sein - in dem Wissen, dass alles Lebendige aus sich selbst heraus seinen nächsten richtigen Lebensschritt vollzieht, wenn wir ihm mit diesen Qualitäten begegnen.


Wie ist nun der Zusammenhang zwischen Focusing-Methode und Focusing-Haltung? Nun, wenn wir Focusing immer wieder als Methode ausüben und dadurch den Zuwachs an Energie und Lebendigkeit bei uns und bei anderen spüren, resultiert daraus nach und nach die oben beschriebene Haltung. Und aus dieser Haltung heraus fühlt sich Focusing nicht mehr an wie eine Methode, sondern wie etwas ganz Natürliches...

2014 - schwarzes Jahr

Posted on December 29, 2014 at 6:00 PM

2014 war ohne jeden Zweifel ein rabenschwarzes Jahr für die Menschheit: Ebola in Afrika, Bürgerkrieg in Syrien, die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak, der Konflikt in der Ost-Ukraine, Spannungen zwischen Russland und dem Westen und unzählige weitere humanitäre Katastophen, denen unsere mediale Aufmerksamkeit nicht vergönnt ist. Wie soll es uns da nur gelingen, nicht an der Welt zu verzweifeln?


Mit Hilfe von Focusing können wir die Resonanz spüren, die all diese Ereignisse in uns auslösen, ohne davon überflutet zu werden. Diese Resonanz dürfen wir nicht zur Seite schieben, denn sonst verschließen wir uns vor der Welt - nicht nur vor dem Negativen, sondern auch vor dem Positiven. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir einen inneren Raum schaffen, in dem Platz ist für unsere ganz persönliche Reaktion auf all das Schlechte, und dann bei dieser Reaktion, bei dieser Resonanz, verweilen, bis sich ein Weg eröffnet, wie wir ganz individuell einen Beitrag dazu leisten können, dass die Welt besser wird. Vielleicht handelt es sich nur um einen kleinen Beitrag, zum Beispiel, dass wir einem Nachbarn freundlich zunicken. Vielleicht handelt sich es aber auch um einen großen Beitrag, beispielsweise, dass wir ein humanitäres Projekt ins Leben rufen oder einen größeren Betrag spenden.


Mit Focusing können wir erspüren, welche Reaktion auf all die Übel der Welt für uns persönlich stimmig ist. Hat sich diese erst einmal herauskristallisiert, gibt es auch Raum für all das Gute, das die Welt ebenfalls zu bieten hat. Möge im Jahr 2015 das Letztere überwiegen!

Gute Vorsaetze

Posted on December 26, 2014 at 7:55 AM

Es ist die Zeit des Jahres, in der wir zurückblicken auf die letzten zwölf Monate und in der wir Revue passieren lassen, was gut für uns gelaufen ist und was nicht. Aus dem, was nicht so gut war, resultieren dann häufig gute Vorsätze für das neue Jahr.


Doch diese Vorsätze kommen selten aus unserer Ganzheit. Würde sich das, was wir uns vornehmen, durch und durch richtig anfühlen, hätten wir es bereits getan. Mit anderen Worten: Die guten Vorsätze stammen von einem Teil von uns. Und es gibt auch noch mindestens einen anderen Teil, der verhindert, dass wir sie in die Tat umsetzen. Dieser Teil ist oft unbewusst. Unsere Aufgabe besteht also darin, diesen unbewussten Teil bewusst zu machen, denn er ist der eigentlich interessante Teil.


Wir treiben keinen Sport, obwohl wir uns das schon letztes Jahr vorgenommen haben? Vielleicht gibt es etwas in uns, das Ruhe braucht. Wir trinken immer noch viel zu viel Alkohol? Möglicherweise wünscht sich etwas in uns, endlich einmal abschalten zu können. Wir üben immer noch unseren alten Job aus, obwohl sich etwas in uns nach Neuem sehnt? Eventuell hat etwas in uns Angst vor dem Unbekannten.


Immer, wenn wir etwas tun wollen, es aber einfach nicht tun, gibt es einen Teil in uns, der das verhindert - und das aus einem guten Grund. Diesen Teil und seine Motivation gilt es zu erforschen.

Gibt es "innere Teile"?

Posted on March 3, 2014 at 11:45 AM

"Ein Teil von mir möchte meinen Job an den Nagel hängen und ein anderer Teil von mir macht sich Sorgen, ob ich dann genug Geld zum Leben habe."

 

Im Focusing - wie auch in anderen Methoden - arbeiten wir häufig mit sogenannten "inneren Teilen". Die Formulierung „ein Teil von mir“ macht deutlich, dass es sich nicht um die ganze Person handelt, sondern eben nur um einen Teil der Person. Die Person ist viel mehr als dieser einzelne Teil und hat auch noch andere Teile.

 

Besonders hilfreich ist diese Formulierung, wenn innere Konflikte bearbeitet werden: „Ein Teil von mir möchte gehen und ein anderer Teil möchte bleiben. Ich halte beide Teile in meinem Bewusstsein und schenke ihnen meine Aufmerksamkeit, damit sie sich mir mitteilen und enthüllen können, was sie antreibt.“

 

Doch die Formulierung „ein Teil von mir“ birgt auch Gefahren. Sie verdinglicht etwas, das nicht als eine Entität, als ein „Ding“, in uns existiert. Die Vorstellung, dass es Teile in uns gibt, sozusagen wie farbige Bauklötze in verschiedenen Formen und Größen, kann den Entwicklungsprozess, den Focusing fördert, blockieren, da sie nahe legt, dass diese Teile fest und unveränderlich sind.

 

Vielmehr laufen innere Prozesse ab, die in entgegengesetzte Richtungen gehen können. Ein Prozess geht in Richtung „Job an den Nagel hängen“ und ein anderer in Richtung „Angst, was ohne Job passiert“. Wenn beide Prozesse in Präsenz gehalten werden und der Fokussierende zu ihnen in Beziehung tritt, können sich die Inhalte dieser Prozesse recht schnell ändern. Der Prozess „Job an den Nagel hängen“ führt möglicherweise zu „mehr Freiheit wollen“ und der Prozess „Angst, was dann passiert“ zu „Sicherheit wollen“. Wenn sich die Prozesse erst einmal so weit entwickelt haben, haben sie mit dem ursprünglichen Inhalt nur noch wenig zu tun. Möglicherweise fließen sie auch in einen umfassenden Prozess, beispielsweise „frei sein und sich dabei sicher fühlen“.  Formt sich ein solch übergeordneter Prozess, fühlt es sich nicht mehr so an, als gäbe es Teile. Es fühlt sich so an, als befände sich das Leben im Fluss, als gehe es weiter.

 

Das Wort „Teil“ kann also dieses In-den-Fluss-geraten verhindern. Ein Teil bleibt eben immer ein Teil, auch wenn er sich inhaltlich verändert. Das Wort festigt ein inneres Erleben und beschwört die Illusion herauf, dass es unveränderliche Instanzen in uns gibt, die sich uns zwar mitteilen, die aber immer so bleiben. Im Idealzustand sind wir jedoch nicht „geteilt“, sondern wir befinden uns im Fluss und leben einfach unser Leben. Empfehlenswert ist daher die Formulierung „etwas in mir“. Das Wort „etwas“ lässt offen, worum es sich handelt, und ermöglicht so den Entwicklungsprozess, den wir im Focusing fördern wollen.

 

NEIN sagen lernen

Posted on September 8, 2013 at 2:50 PM

Vielen Menschen fällt es schwer, Nein zu sagen. Pflichtbewusst übernehmen sie alle Aufträge und erfüllen alle Wünsche gewissenhaft. Möglicherweise leiden sie jedoch innerlich dabei, werden krank oder brennen aus. Wie kommt es, dass es so schwer ist, Nein zu sagen und dabei zu bleiben?

 

Häufig können Menschen deswegen nicht Nein sagen, weil sie ihr inneres Nein nicht spüren, obwohl es da ist. Vielleicht existiert irgendwo im Körper ein mulmiges, ungutes Gefühl, vielleicht sogar Schmerz, wenn solche Menschen mit einem Auftrag oder einer Bitte konfrontiert werden, doch sie haben nie gelernt, solche inneren Signale wahrzunehmen. Mit Focusing kann man lernen, diese subtilen inneren Regungen wieder in den Blick zu bekommen und ihnen zu vertrauen.

 

Manchmal spüren Menschen aber auch ein ganz klares Nein. Und trotzdem sagen sie Ja. Ist das der Fall, liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein innerer Konflikt vor. Ein Teil der Person will nicht (und das aus einem guten Grund) und ein Teil der Person will (und das ebenfalls aus einem guten Grund). Möglicherweise hat der zweite Teil Angst davor, was passieren könnte, wenn die Person tatsächlich Nein sagt. Oder er empfindet das legitime Bedürfnis, andere zu unterstützen und ihnen zu helfen.

 

Die Kunst des Nein-Sagens besteht darin, alle Teile - sowohl den, der Nein sagt, als auch den, der Ja sagt - anzuerkennen, die zugrunde liegenden Bedürfnisse zu hören und einen Weg zu finden, der allen Teilen gerecht wird. Wird jedoch einem der Teile nachgegeben und der andere ignoriert, wird dieser in irgendeiner Form Rache üben, etwa durch negative Gefühle oder körperliche Schmerzen.

 

Wie schwer es ist, aber auch wie wichtig, wirklich ALLES innerlich wahrzunehmen, habe ich vor kurzem wieder einmal am eigenen Leibe erlebt. Machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn Sie die Kunst des Nein-Sagens noch nicht perfektioniert haben. Das Leben wird Ihnen noch reichlich Gelegenheit dazu geben.

 

Felt Sense & GfK

Posted on March 27, 2013 at 5:15 AM

Die kritische Rückmeldung einer Leserin bezüglich des Nutzens der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg, so wie ich ihn in meinem letzten Blog-Eintrag beschrieben habe, hat dazu geführt, dass ich meine Sicht der GfK weiter differenziert habe:


Für mich ist der Felt Sense die Verbindung zwischen mir und der Situation, in der ich mich gerade befinde. Mithilfe des Felt Sense kann ich spüren, was sich für mich stimmig anfühlt, z.B. wie ich mit meinem Nachbarn umgehe, der laute Musik spielt. Ich drücke die GfK-Formel also nicht meinem Felt Sense auf, sondern nutze meinen Felt Sense, um zu spüren, ob und wie ich die GfK-Formel nutze. Ich stimme zu, dass sich formelhafte Kommunikation nicht gut anfühlt - weder als Sender noch als Empfänger.


Wenn ich mich auf diese Weise an meinem Felt Sense orientiere, empfinde ich es als hilfreich, die vier Aspekte der GfK im Auge zu behalten. Ich habe z.B. gute Erfahrungen damit gemacht, nicht mehr zu meinen Kindern zu sagen: "Mach keinen Krach", sondern: "Wenn du hier im Wohnzimmer Seilchen springst, stört mich das bei den Nachrichten. Ich würde gerne wissen, was passiert ist in der Welt. Könntest du in dein Zimmer gehen?" Beide Kinder reagieren deutlich positiver darauf als auf den ersten Satz, vermutlich, weil es viel klarer ist als "Mach keinen Krach".


Was zwischenmenschliche Konflikte betrifft, so hilft Focusing sehr dabei, mit dem in Präsenz zu sein, was der Konflikt in mir auslöst und was mein Beitrag zu dem Konflikt ist. Es ist auch sehr hilfreich, die verschiedenen Teile in meinem Gegenüber zu sehen, vor allem, wenn er mit einem davon gerade identifiziert ist.


Ich finde Rosenbergs Erkenntnis extrem wichtig, dass der Konfliktpartner aus einem nicht erfüllten Bedürfnis heraus agiert, gleichtgültig, wie schlimm die Dinge sind, die er mir an den Kopf wirft. Innere Teile wollen oft ein legitimes Bedürfnis befriedigen, übersehen dabei aber häufig die Bedürfnisse anderer Teile. Wenn ich das erkenne, halte ich Konflikte viel besser aus.


Wenn mich jemand scharf kritisiert, kann ich sehen, dass es einen Teil in der Person gibt, der Bedürfnisse hat, die in der Beziehung zu mir gerade nicht befriedigt werden, und mich dem Teil im anderen zuwenden, während ich gleichzeitig in Präsenz bin mit den Teilen, die in mir ausgelöst werden. Natürlich ist es nicht meine Aufgabe, die Bedürfnisse aller Menschen um mich herum zu befriedigen, auch wenn andere das vielleicht glauben. Die Bedürfnisse selbst sind aber legitim - sowohl die der anderen als auch meine.


Focusing & GfK

Posted on March 25, 2013 at 2:05 PM

Eugene Gendlins Focusing und Marshall Rosenbergs Gewaltfreie Kommunikation (GfK) haben gemeinsame Wurzeln. Sowohl Gendlin als auch Rosenberg haben bei Carl Rogers, dem Begründer des personenzentrierten Ansatzes, studiert. Beide wurden maßgeblich von Rogers' Menschenbild beeinflusst und genau wie Rogers betonen beide die Rolle von Empathie für psychisches Wachstum. Focusing und GfK setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

 

Focusing beschäftigt sich mit der inneren Beziehung, also mit der Beziehung eines Menschen zu dem, was in ihm vorgeht, und lehrt Schritt für Schritt, wie eine innere Beziehung aufgebaut werden kann, die es ermöglicht, alles, was in einem vorgeht, mit Empathie wahrzunehmen, ohne sich mit etwas zu identifizieren und ohne etwas zu verdrängen.

 

GfK nimmt die zwischenmenschliche Beziehung in den Blick und lehrt, wie zwischenmenschliche Kommunikation so gestaltet werden kann, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten befriedigt werden. Dieser Prozess lässt sich in vier Aspekte untergliedern:

 

a)    Beobachtung ohne Bewertung

b)    Benennung von Gefühlen

c)    Benennung von Bedürfnissen

d)    Formulierung von Bitten

 

Wenn ich beispielsweise meinem Nachbarn Folgendes ins Gesicht schleudere: „Wissen Sie nicht, wie spät es ist? Machen Sie verdammt nochmal die scheiß Musik aus, sonst rufe ich die Polizei!“, dann wird das vermutlich Widerstand hervorrufen.Vielleicht folgt der Nachbar auch meiner Aufforderung, weil er Angst hat, Ärger zu bekommen, und stellt die Musik aus. In beiden Fällen wird die nachbarschaftliche Beziehung jedoch langfristig belastet, worunter alle Beteiligten leiden werden.

 

Wenn ich stattdessen sage: „(a) Wenn Sie nachts Musik spielen, (b) werde ich wütend, (c) weil ich einen anstrengenden Tag hatte und Erholung brauche. (d) Würden Sie bitte morgen weiter Musik hören?“, dann ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass mein Nachbar meiner Bitte nachkommt und die Beziehung unbelastet bleibt. Reagiert er trotzdem pampig und sagt etwa: „Seien Sie doch kein Spielverderber“, kann ich das mit „GfK-Ohren“ hören und fragen: „Sind Sie sauer, weil Sie gerne Spaß haben möchten?“ Eine solche Interaktion garantiert zwar keinen Erfolg, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir zu einem Ergebnis kommen, das allen gerecht wird.

 

Der intrapersonelle Focusing-Prozess und der interpersonelle Prozess der Gewaltfreien Kommunikation schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich gegenseitig:

 

Viele Menschen sind nicht in der Lage, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu benennen. Es fehlt ihnen die innere Klarheit, die nötig wäre, um die vier Aspekte der GfK in Worte zu fassen, vor allem, wenn ein Mensch einen inneren Konflikt erlebt, von dem einzelne Teile unbewusst sind.

 

Um zu dem Beispiel von oben zurückzukehren: Jemand, der nachts die laute Musik seines Nachbar hört, nimmt vielleicht seine Wut und sein Bedürfnis nach Ruhe nicht bewusst wahr. Vielleicht spürt er nur ein Stechen in der Brust und er sagt sich selbst: „Ruhig bleiben! Ruhig bleiben!“ Wenn er sich dem Stechen in der Brust zuwenden und die für Focusing typische Beziehung dazu aufbauen würde, dann würde er vielleicht spüren, dass ETWAS in ihm wütend ist. Dieses Etwas kann zwar gespürt, nicht aber in Worte gefasst und somit nicht in den Gfk-Prozess eingebracht werden. Es ist implizit, wie wir im Focusing sagen, und kann nicht explizit werden, weil etwas im Wege steht, nämlich ein anderes Etwas, das sagt: „Ruhig bleiben! Ruhig bleiben!“ Vielleicht ist dieser Mensch so erzogen worden, dass er im Angesicht von Widrigkeiten die Ruhe bewahren soll, und wenn er sich diesem zweiten Etwas zuwenden würde, würde ermöglicherweise eine Sorge oder Angst darin spüren, abgelehnt oder lächerlich gemacht zu werden, wenn er seine Beschwerde vorträgt. Vielleicht würde er hinter oder unter diesen beiden inneren Teilen auch seinen Wunsch nach Ruhe finden. Ohne den inneren Nachspürprozess bleiben die Gefühle und Bedürfnisse jedoch unbenennbar.

  

Mit anderen Worten: Durch Focusing können wir uns innere Klarheit verschaffen, was in uns vorgeht, bevor wir anschließend mit anderen Menschen in Interaktion treten. Focusing lehrt uns jedoch nicht, wie diese Interaktion auf eine Weise gestaltet werden kann, die allen gerecht wird. Ich persönlich erlebe die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg in dieser Hinsicht als große Bereicherung für mein Leben.  

 

Emotion & Bewegung

Posted on March 2, 2013 at 11:30 AM

Peter Levine verdanke ich folgende wertvolle Erkenntnis über den Zusammenhang zwischen Emotionen und Handlung- bzw. Bewegungsimpulsen:


Der menschliche Organismus bewertet alle Umwelteinflüsse daraufhin, ob sie der Erhaltung und der Entfaltung des Organismus dienen oder nicht. Wird etwas in der Umwelt als bedrohlich wahrgenommen, aktiviert der Organismus einen Handlungs- bzw. Bewegungsimpuls, der zur Flucht oder zum Angriff führt, je nachdem, wie die Gefahr eingeschätzt wird. Wird der Impuls ausgeführt und die Handlung vollzogen, empfindet der Mensch keine Emotionen. Jemand, der vor einer Gefahr flieht, empfindet KEINE Angst. Würde er nach innen spüren, würde er nur wahrnehmen, dass er flieht. Ähnlich verhält es sich bei einem Angriff. Ein Mensch, der um sich schlägt, empfindet keine Wut oder Ärger. Er spürt lediglich, dass er diese Handlung ausführt.


Diese Aussagen widersprechen der Intuition, nehmen Sie sich jedoch einmal Zeit, nach innen zu spüren, wenn Sie sich im Flucht- oder Angriffsmodus befinden. Angenommen, Sie geigen jemandem gehörig die Meinung, der Sie schon lange nervt. Sie werden merken, dass innerlich keine Emotion wahrnehmbar ist, sondern nur ein fließender Impuls. Genauso verhält es sich bei der Flucht. Wenn Sie zügig eine dunkle und potentiell bedrohliche Gasse verlassen, ist da keine Furcht, sondern nur Handlung.


Emotionen entstehen, wenn der Handlungs- bzw. Bewegungsimpuls blockiert wird, wenn er nicht in die Tat umgesetzt werden kann. Angst und Wut steigen auf, wenn ich mich bedroht fühle, aber nicht fliehen oder zum Angriff übergehen kann. Wird die Handlung dann doch ausgeführt, verschwindet die Emotion. Wahrscheinlich fallen Ihnen zahlreiche Beispiele aus Ihrem Leben ein, bei denen es genauso war.


Was ist nun die Konsequenz daraus? Sollen wir allen Impulsen nachgeben, um negative Emotionen zu vermeiden? Was für unsere Vorfahren richtig war und ihr Überleben sicherte, führt in der heutigen Zeit zu Problemen. Wir können nicht einfach unseren Chef angreifen oder vor ihm davon rennen, wenn er wieder einmal unseren Schreibtisch mit mehr Arbeit zuschaufelt, als wir schaffen können.


Die Lösung liegt in der achtsamen und bewussten Wahrnehmung von Impulsen und Körperempfindungen, BEVOR sie in die Tat umgesetzt werden. Wenn ich mich im Flucht- oder Angriffsmodus befinde und die entsprechenden Impulse ausagiere, ist es meistens zu spät und häufig (nicht immer) werde ich anschließend mein Handeln bereuen. Wenn ich die körperliche Aktivierung jedoch bewusst wahrnehme und spüre, kann sie abklingen, OHNE dass ich aus ihr heraus handele. Ich gewinne Zeit, um alternative Lösungen zu finden, die der Situation eher entsprechen und meiner Erhaltung und Entfaltung dienlicher sind.


Das, was passiert, wenn ich meine körperlichen Reaktionen auf rein somatischer Ebene wahrnehme, ist echte Magie und Focusing lehrt uns, wie man das macht.  

   

 


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